Reaktionen auf das Triptychon in der Heilig-Kreuz-Kirche

1. Jael Botsch-Fitterling

 

Triptychon Heilig-Kreuz-Kirche Berlin-Kreuzberg

Der Besuch in einer Kirche ist für eine Israeli und Jüdin immer eine Herausforderung, da Kreuz und gekreuzigter Christus nicht übliche Symbole für jüdische Augen sind.

Bei einer Veranstaltung in der Kirche zum Heiligen Kreuz, unweit des Jüdischen Museums in Berlin Kreuzberg, stellte ich zu meiner Überraschung fest, dass dort eine Bühne mit einem beweglichen Altar und nur einem kleinenKruzifix aufgebaut ist.

Während der gesamten Veranstaltung war mein Blick gebannt durch das Triptychon "Christus im Holocaust" von Ismond Rosen. Gleich im Anschluss musste ich zu der dreiteiligen Plastik gehen. Zu meiner Überraschung stellte ich fest, dass die Erklärung des Künstlers, die an der Wand hing, in drei Sprachen verfasst ist: Iwrit (Neuhebräisch), Englisch und Deutsch.

Mir wurde intuitiv klar, dass neben der Kreuzdarstellung diese Kirche eine jüdische Interpretation von Jesus unter Einbeziehung der Shoa - Erfahrung gewählt hat.

Es scheint von besonderer Bedeutung, dass in Berlin, der Hauptstadt des Nationalsozialismus, jüdische Besucher diese Auseinandersetzung mit dem Judenmord kennenlernen.

Vielen jüdischen Besuchern fällt es auch nach mehr als siebzig Jahren noch schwer, den Boden Berlins zu betreten  -  Der Besuch des so eindrucksvoll  aufgestellten Triptychons in einer Kirche an dieser Stelle könnte auch ein Schritt auf dem Weg der Versöhnung sein.

Für Besucher des Jüdischen Museums bedeutet es zeitlich nur einen kurzen Weg von etwa 10 Minuten, bildet aber sicherlich einen Höhepunkt im Erleben der Gedenkkultur Berlins.
                                                                                                                          Berlin, im November 2009
Jael Botsch-Fitterling
Studiendirektorin a. D., Vorsitzende der Synagogengemeinde Berlin Sukkat Schalom, jüdische Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin